Die ehemalige Brauerei der Brüdergemeine in Neuwied
Aus: Heimat-Jahrbuch des Landkreises Neuwied 1971
(herausgegeben vom Landkreis Neuwied – Druck: Strüder KG, Neuwied)
Im Zuge des geplanten Ausbaues der Rheinbrücke auf sechs Spuren mit Abfahrten, Zubringern und Anbindungen, müssen die in
diesen Bereich fallenden Gebäude abgebrochen werden. Darunter fällt auch der große Gebäudekomplex der ehemaligen Brauerei der
Brüdergemeine mit seinem umfangreichen Kellerlabyrinth, der seit der Stillegung im Jahre 1922 wenig ausgenutzt, immer mehr verfiel.
Vor einigen Jahren musste ein Schornstein wegen Baufälligkeit gesprengt werden.
In den Wintermonaten der Jahreswende 1967/68 wurden die Bruchsteingebäude abgetragen und das Gelände, insbesondere die
Keller eingeebnet; das Eckhaus an der Elisabethstraße, das sogenannte 'Brauerei-Beamtenhaus', fiel als letztes im Sommer 1969.
Und damit verschwanden die letzten Reste der einst im Wirtschaftsleben der Stadt bedeutsamen Brauerei. Um die Kenntnis über
dieses Unternehmen der Nachwelt zu erhalten, sei auf deren Geschichte eingegangen bis hin zur Auflösung aus ethischen
Erwägungen.
Im Frühjahr 1793 errichteten die Brüder inmitten der Kriegswirren auf ihrem noch unbebauten Gelände an der Louisenstraße
(Langendorferstraße 178 und 180) ein "Gemeinlogis mit Bierbrauerey und Brennerey", dem im August bereits das Dach aufgesetzt
werden konnte. Das bisherige Gemeinlogis, das durchreisenden und besuchenden Geschwistern und Freunden als Aufenthalt diente,
befand sich seit 1759 im alten Herrnhuter Viertel nacheinander in verschiedenen Häusern in Enge und Unzulänglichkeit und erregte
manchen Anstoß. Auch das 1782 eingerichtete umfangreichere Logis unter Erdmann L u d e ' s Leitung (geb. 1750 Cottbus) bewährte
sich nicht.
So war es eine Erleichterung, als 1794 das neue Gemeinlogis seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Die damit verbundene
Landwirtschaft, Brauerei und Brennerei bildeten die wirtschaftliche Grundlage. Joh. Heinrich H ö v e r (geb. 1755 Kalkkuhl im
Schwarzenbergischen), der sich bei der Bauaufsicht nach dem plötzlichen Tode des Baumeisters Friedrich T r ö g e r (siehe HKN
1967, S. 55 ff.) hervorgetan hatte, übernimmt das Logis auf Rechnung der Gemeine.